Musiktherapie für Musiker:innen

Musiktherapie für Musiker:innen ist eine spezielle Form der Musiktherapie, die sich nach den Bedürfnissen von Musiker:innen richtet. Hierbei wird Musik nicht nur als kreative Ausdrucksform betrachtet, sondern auch als therapeutisches Werkzeug, um musikbezogene Probleme zu bewältigen und die körperliche, emotionale und kognitive Gesundheit von Musiker:innen zu verbessern.

Die Musiktherapie für Musiker:innen kann dabei helfen, verschiedene Herausforderungen anzugehen, mit denen Musiker:innen konfrontiert sind, wie zum Beispiel Leistungsangst, Stress, körperliche Beschwerden durch intensives Musizieren, kreative Blockaden, soziale Isolation, Depressionen oder Angstzustände. Musiktherapeut:innen arbeiten mit Musiker:innen zusammen, um individuelle Ziele zu setzen und an der Verbesserung des Wohlbefindens und der musikalischen Fähigkeiten zu arbeiten.

Die Therapieansätze in der Musiktherapie für Musiker:innen können vielfältig sein und umfassen unter anderem musikbasierte Entspannungstechniken, Improvisation, Musikkomposition, Songwriting, Musik- und Bewegungstherapie, sowie die Integration von musiktherapeutischen Interventionen in das tägliche Üben und Musizieren. Der musiktherapeutische Prozess kann dazu beitragen, das Selbstbewusstsein von Musiker:innen zu stärken, ihre kreativen Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern, Stress abzubauen, emotionale Blockaden zu lösen und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.

Musiktherapie für Musiker:innen kann von professionellen Musiktherapeut:innen in einer Vielzahl von Umgebungen angeboten werden, wie zum Beispiel in Kliniken, Krankenhäusern, Rehabilitationseinrichtungen, Schulen, Gemeindezentren oder privat in der Praxis.

Warum und inwiefern an solch unterschiedlichen Orten? Bruscia schreibt in der Einführung zu seinen Fallbeispielen über Musiktherapie mit Musiker:innen einerseits: „In addition to being susceptible to the usual health threats, musicians are often challenged by medical and psychological problems that are unique to their profession (…). Andererseits bemerkt er, dass “(…) musicians can have medical or psychological problems that are not a result of their musical activity but prevent them from continuing with them.“ Er fügt zwei Beispiele dazu an: Das erste Beispiel betrifft Musiker:innen, welche einen Hirnschlag erlitten oder sonst körperlich verletzt wurden. Dabei könnten ihre musikalischen Fähigkeiten verloren oder stark beeinträchtigt worden sein. Das zweite betrifft Musiker:innen, welche an einer Depression leiden. In diesem Fall könnte die Motivation, Musik zu machen oder zu hören, verloren gegangen sein.

Insgesamt bietet die Musiktherapie Musiker:innen die Möglichkeit, die therapeutische Kraft von Musik zu nutzen, um ihre körperliche, emotionale und kognitive Gesundheit zu fördern, kreative Blockaden zu überwinden und ihre musikalischen Fähigkeiten zu verbessern.

Die Anwendung von Musiktherapie für Musiker:innen findet weltweit in verschiedenen Ländern statt. Es gibt einige Länder, in denen Musiktherapie für Musiker:innen als spezialisierte Form der Musiktherapie weiter verbreitet ist oder eine längere Geschichte und eine etablierte Praxis hat. Einige Länder, die bekannt sind für ihre Musiktherapie-Angebote für Musiker:innen, sind:

  1. Vereinigte Staaten von Amerika: Musiktherapie für Musiker:innen ist in den USA weit verbreitet und wird in verschiedenen Institutionen wie Krankenhäusern, Kliniken, Musikschulen und Gemeindezentren angeboten. Es gibt auch spezialisierte Programme für Musiker:innen, die sich mit musikbezogenen Problemen wie Leistungsangst und Verletzungen befassen.
  2. Vereinigtes Königreich: In Grossbritannien gibt es eine etablierte Praxis von Musiktherapie für Musiker:innen, die von Musiktherapeut:innen in verschiedenen Institutionen wie Kliniken, Schulen und Rehabilitationseinrichtungen angeboten wird.
  3. Kanada: In Kanada gibt es ebenfalls eine wachsende Praxis von Musiktherapie für Musiker:innen, die von Musiktherapeut:innen in verschiedenen klinischen und gemeindebasierten Institutionen angeboten wird.

Es wäre sehr wünschenswert und erfreulich, wenn dieses Arbeitsfeld auch in der Schweiz Fuss fassen würde, zum Beispiel durch die Zusammenarbeit zwischen der SMM (SwissMedMusica: Gesellschaft, welche sich der Gesundheit von Musiker:innen annimmt, siehe vorherigen Artikel) und dem SFMT.

Diana Ramette-Schneider

 

Hier ein paar wenige Literaturquellen, die sich mit dem Thema Musiktherapie für Musiker:innen befassen:

Bruscia, Kenneth E. (2012). "Case examples of music therapy for musicians." Gilsum, NH: Barcelona Pub.

Di Nino, A. (2018, March). Music Therapy for Musicians. Canadian Musician, 42-46.

Helding, Lynn (2020). "The Musician's Mind: Teaching, Learning, and Performance in the Age of Brain Science".

Obwohl dieses Buch nicht ausschließlich der Musiktherapie gewidmet ist, bietet es dennoch interessante Einblicke in die Funktionsweise des Musiker:innen-Geistes und wie man diese Erkenntnisse in der Musiktherapie nutzen kann, um Musiker:innen zu helfen, ihre Fähigkeiten zu verbessern und Herausforderungen zu bewältigen.

 

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