11. deutschsprachiges Treffen an der Universitäts-Kinderklinik beider Basel

Die Freuden und Herausforderungen im Berufsalltag wurden schon in der Vorstellungsrunde hörbar: in diesem Arbeitsbereich haben wir eine wunderbare Aufgabe in der Betreuung Frühgeborener und kritisch kranker Neugeborener mit ihren Eltern. Das Privileg, solche Familien bei ihrem schwierigen hospitalisierten Start zu begleiten, motiviert uns, die bestmögliche Qualität zu bieten, uns weiterzubilden und uns manch schwierige Frage zu stellen.

Aus diesem Grund trafen sich zwölf Therapeutinnen aus dem Fachkreiskern an einem Freitagnachmittag am 5. April dieses Jahres in den Räumlichkeiten der UKbB. Ergänzt wurde die Gruppe von Samstag bis Sonntag von sechs weiteren Kolleginnen aus dem erweiterten Fachkreis, dabei auch drei Französischsprachige. Wir unterstützen uns gegenseitig mit Intervision, Austausch über Entwicklungen und bereichsspezifischer Weiterbildung. Es ist unter anderem ein Anliegen des Fachkreises, Qualitätsstandards zu definieren und diese über Veröffentlichungen, Website der DMTG, Flyer und Kommunikation mit Kliniken publik zu machen.

Themenschwerpunkte dieses Jahr waren die Bedeutung von Schmerz bei Frühgeborenen für die musiktherapeutische Arbeit, kultursensible Begleitung von Familien mit Migrationshintergrund und Möglichkeiten der Nachsorge. Ein Überblick über die Literatur und Entwicklungsgeschichte waren neben Praxisbeispielen die Basis der anschliessenden Diskussionen, die lebhaft waren und mit Geschichten aus dem Berufsalltag untermalt wurden. In Bezug auf das Thema Schmerz beschlossen wir, die Richtlinien anzupassen und eine musiktherapeutische Begleitung rund um schmerzhafte Prozeduren zu empfehlen.

Einen Überblick über die aktuelle Forschung gab uns Friederike Haslbeck. Nebst ihrer eigenen Forschung in Zürich, die anhand MRI-Bilder die Hirnentwicklung Frühgeborener mit und ohne Musiktherapie untersucht, zeigte sie uns verschiedene Multi-Center-Studien, Meta-Analysen und Cochrane Reviews. Unser Fachgebiet ist in der Forschung gut repräsentiert; in unserem Fachkreis wird rege doktoriert und geforscht.

Als besonders wertvoll erlebte ich die Intervision, in der wir Schwierigkeiten aus dem Berufsalltag ausführlich besprechen und improvisatorisch „bespielen“ konnten. Hier erfuhr ich eine wertvolle Offenheit und Wertschätzung; es war beruhigend zu merken, dass wir alle mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen.

Diese Auseinandersetzung mit wichtigen Themen aus dem klinischen Alltag und der fachliche Austausch untereinander waren inspirierend, belebend und dienen vor allem der Qualitätssicherung unserer Arbeit. Wiederum zeigte sich, wie wichtig der familienzentrierte Ansatz ist, um auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes und der Eltern eingehen zu können. Er leitet uns massgeblich in der Musiktherapie in der Neonatologie.

An dieser Stelle bedanke ich mich bei den Organisatorinnen, die uns liebevoll mit Picknick, Stadtführung und klarer Gesprächsführung durch die drei Tage begleiteten.

Das nächste Treffen des Fachkreises findet im März 2020 in Dresden statt. Der schweizerische Kreis für Musiktherapie in der Neonatologie trifft sich dieses Jahr noch einmal im November. Interessierte sollen sich bei Renate Nussberger oder Friederike Haslbeck melden.

 

Rachel Gotsmann

 

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